SV Germania Fritzlar - SG 09 Kirchhof (35: 25)

Fritzlar im Derbyrausch

Fritzlar. Was sind Derby-Prognosen wert? Was das vorherige Abwägen von Chancen zweier benachbarter Klassenkameraden? Nichts. Da hat der SV Germania Fritzlar in der 3. Handball-Liga West als vermeintlicher Außenseiter die seit neun Spielen ungeschlagene SG 09 Kirchhof zu Gast und fegt diese mit 35:25 (17:10) aus der Halle.

„Wir hatten die Hosen voll“, erklärte SG-Trainer Mike Fuhrig den Angstfaktor, der in seinem Team grassierte, zum spielentscheidenden Moment. Wozu sich indes auch eine wie entfesselt auftrumpfende Fritzlarer Mannschaft gesellte, die ihrer neuen Trainerin ein fantastisches Heimdebüt bescherte, wofür sich Ildiko Barna mit einem Kompliment bedankte: „Wir haben als Team geglänzt mit einer äußerst konzentrierten und disziplinierten Leistung.“
Und mit einem Blitzstart, weil ihre Taktik von Anfang an aufging. Der Kirchhofer Angriffsdruck wurde durch offensive Halbe in der 6:0-Deckung in die Mitte kanalisiert. Dort nahmen Anne Breitschuh und Carina Heidenreich Torfrau Rodziewicz die meiste Arbeit ab, die dafür die Außen, insbesondere die glücklose Sabrina Weiß, auf der Rolle hatte. Und in der SVG-Offensive trafen Carina Heidenreich, Katrin Schmalz und Anna Miszctyj dank gelungener Kombinationen von Beginn an wie sie wollten.
Mike Fuhrig war sich frühzeitig des Unheils bewusst, konnte aber trotz einer Auszeit (nach zehn Minuten) und eines Torwartwechsels (Nilla Oross für Elisabeth Wehr) noch nicht dagegen steuern. Erst die Maßnahme, Rückraumspielerin Heidenreich durch Maria Privan herauszunehmen, löste beim 14:8 (22.) einen ersten kleinen Hänger der Gastgeberinnen aus.

                            Von Ralf Ohm 

 

 


 Den konnten Linkshänderin Schmalz mit ihrem fünften Treffer zum 15:10 sowie Malgorzata Rodziewicz mit ihren Paraden aber schnell wieder beenden. Mehr noch. Nach einer problemlos überstandenen Zeitstrafe für Breitschuh deutete sich nach Miszczyjs Tor zum 22:12 (39.) eine frühe Vorentscheidung nebst SVG-Lehrstunde an. Die wollten die Kirchhoferinnen dann aber doch nicht über sich ergehen lassen. Beim folgenden 7:1-Zwischenspurt deuteten sie zumindest an, was sie in den letzten Wochen stark gemacht hatte: eine verbissen kämpfende Abwehr mit einer starken Torfrau Oross sowie eine dynamische erste und zweite Welle, wobei sich Celia Steyer, zuvor ebenfalls vom Furchtvirus befallen, freispielte.
Beim 23:20 (45.) war die SG plötzlich sogar wieder „dran“, durfte bis zum 26:23 (51.) hoffen, ehe ihr Schmalz, Breitschuh, Heidenreich und Frank mit vier Treffern in Folge endgültig den Garaus machten. Zur Angst gesellte sich Resignation und Fritzlar konnte sich gar in einen Rausch spielen. Eine faustdicke Überraschung, keine Frage. Auch für Ildiko Barna, die dafür aber eine plausible Erklärung hatte: „Derbys haben ihre eigenen Regeln.“

(19.12.2010)

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